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„Das Handwerk braucht Wertschätzung“

Der Landtagsabgeordnete Matthias Goeken (CDU) fordert im Kolping-Gespräch eine engere Verknüpfung von Schulen und Betrieben.

Er ist der einzige Handwerker im nordrhein-westfälischen Landtag. Schon aus diesem Grund engagiert sich der Abgeordnete aus dem Kulturlandkreis Höxter, Matthias Goeken, als handwerkspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion. Auch der enge Bezug zur familieneigenen Bäckerei, die inzwischen sein Sohn leitet, bringt Goeken die Chancen, aber auch die Herausforderungen nahe, denen das Handwerk aktuell begegnet. Am Samstag (16. November 2019) nahm Matthias Goeken im Kolping-Gespräch Stellung zu handwerkspolitischen Themen – und forderte dabei unter anderem mehr Wertschätzung für die Arbeit der Handwerker.

Rund 20 Arbeitnehmervertreter in den Handwerkskammern Ostwestfalen-Lippe, Südwestfalen und Dortmund sowie Mitarbeiterinnen, Mitarbeiter und Geschäftsführer von Kolping-Bildungseinrichtungen diskutierten am Samstag im Hotel Susato in Soest mit Matthias Goeken. „Wir müssen eine Diskussion über den Wert der Arbeit führen. Gute Fachkräfte kosten Geld. Das muss in den Betrieben und bei den Kunden ankommen“, betonte der Landtagsabgeordnete. „Ein erster Schritt ist die Einführung der Mindestausbildungsvergütung.“ Ab dem nächsten Jahr sollen Auszubildende im ersten Lehrjahr 515 Euro erhalten. Ab 2023 soll die Vergütung auf 620 Euro steigen. Auch die Wiedereinführung der Meisterpflicht begrüßte Goeken: „Zum Handwerk gehört der Meister. Dazu müssen wir stehen und dieses Alleinstellungsmerkmal nutzen, um ein positives Image des Handwerks zu fördern.“

Die Imagekampagne des Handwerks beurteilte Goeken positiv. „Die Kampagne nimmt jetzt auch die Eltern potenzieller Nachwuchs-Fachkräfte als Zielgruppe in den Blick. Wir müssen auch die Eltern überzeugen, dass Abitur und Studium nicht die einzig wertigen Optionen sind.“ Goeken forderte eine engere Verknüpfung von Schulen und Betrieben. „Ein Praktikum in der Klasse 9 oder 10 genügt dafür nicht. Das Handwerk muss viel früher in den Schulen präsent sein.“, Beispielhaft sei die praktische Förderung an den früheren Hauptschulen. „Zunächst einmal sind nicht die Noten entscheidend, sondern das handwerkliche Geschick der Schülerinnen und Schüler.“ Die Aufgabe der Lehrer sei es, dies zu fördern. Denn: „Sie kennen die Schüler über Jahre, können deshalb diese Fähigkeiten am besten erkennen und Empfehlungen geben.“ Dazu bedürfe es auch einer realistischen Analyse der Potenziale und eben des Ausbaus der Praxisanteile.

„Außerdem müssen wir deutlich machen, dass auch nach dem Abitur ein Studium nicht die einzige Option ist“; sagte Goeken. Begabte jungen Menschen mit diesem Abschluss müssten durch maßgeschneiderte Angebote gefördert und für das Handwerk begeistert werden, zum Beispiel durch duale Studiengänge oder die finanzielle Förderung von Praktika oder Ausbildungszeiten auch im Ausland. „Ein Abiturient mit sehr guten Leistungen kann schon jetzt in eineinhalb Jahren den Gesellenbrief bekommen“, betonte Goeken. Weiterbildungsmöglichkeiten müssten frühzeitig und besser herausgestellt werden. „Mit lebenslangem Lernen ist eine Karriere im Handwerk möglich.“

Der demografische Wandel werde das Handwerk vor große Herausforderungen stellen. Wenn demnächst die geburtenstarken Jahrgänge in Rente gehen, könnten sie nicht vollständig durch den Nachwuchs ersetzt werden. „Dann werden wir die digitale Technik brauchen, um einen Teil des  Mangels auszugleichen.“ Bei der Digitalisierung mahnte Goeken zu maßvollem Einsatz von Technik und vor übereiltem Aktionismus: „Zum einen spielt die soziale Komponente eine große Rolle, das Miteinander von Handwerkern und Kunden. Dabei können Maschinen Menschen nicht ersetzen. Zum anderen wird es sicher noch eine Weile dauern, bis mir zum Beispiel ein Roboter die Haare schneidet.“ Und schließlich habe handwerkliche Arbeit auch eine gesellschaftliche Bedeutung. „Maschinen zahlen keine Sozialabgaben – und die Unternehmen, die Maschinen statt Menschen einsetzen, für die Maschinen auch nicht.“

Zum Schluss der Gesprächsrunde appellierte Matthias Goeken an die Teilnehmer, sich angesichts zunehmender rechter Tendenzen und mit Blick auf die Kommunalwahlen im kommenden Jahr politisch und gesellschaftlich zu engagieren. „Wir brauchen Expertinnen und Experten, die sich für die kommunalen Parlamente zur Wahl stellen oder zum Beispiel als sachkundige Bürger in den Ausschüssen mitarbeiten. Damit unterstützen sie die Demokratie.“

Hintergrund:
In Deutschland engagieren sich Handwerker durch ihre – in der Regel ehrenamtliche – Mitarbeit in der Selbstverwaltung des Handwerks. So gestalten sie die Handwerkspolitik aktiv mit. Diese Möglichkeit nehmen zahlreiche Kolpingmitglieder wahr. Im Erzbistum Paderborn gibt es drei Handwerkskammern. Alle fünf Jahre finden Wahlen statt, bei denen die Vollversammlungen der Kammern neu besetzt werden. So auch in diesem Jahr. Auf Seiten der Arbeitnehmer sind es Kolping und die Gewerkschaften, die dafür Kandidaten benennen.

Matthias Goeken (5. von rechts), der handwerkspolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Landtag, nahm am Samstag im Kolping-Gespräch Stellung zu aktuellen Themen des Handwerks.