04. Sep 2026

Am Anfang stand Mut. Heute steht das Hotel Aspethera für eine Erfolgsgeschichte – für ein Vorbild gelebter Inklusion. Aus dem Mut, das historische Kolpinghaus abreißen zu lassen, entstand das größte Inklusionsunternehmen der Region, in dem Menschen mit und ohne Behinderung sichtbar machen, wie ein Miteinander selbstverständlich gelebt werden kann.
Der 20. Geburtstag des Inklusionshotels war Anlass für die Stiftung KOLPING-FORUM Paderborn und das Kolping-Bildungswerk Paderborn, mit zahlreichen Gästen aus Politik und Geistlichkeit, mit Weggefährt*innen, Kooperationspartner*innen, Akteur*innen aus der Inklusion, der Kolpingsfamilie Paderborn sowie den Geschäftsführenden aus dem Kolping-Bildungswerk Paderborn im großen Saal des Geburtstagskindes erlebbar zu machen, welcher Mehrwert jeden Tag durch Inklusion entsteht.
Was Inklusion für unsere Gesellschaft bedeuten kann, skizzierte Ulrich Adlhoch in seiner Keynote zum Thema „Wert von Inklusion“. Der ehemalige Leiter des LWL-Integrationsamts und ehemalige Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft der Inklusionsfirmen gilt nicht nur als Experte im Bereich der Teilhabe von Menschen mit Behinderung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt. „Ihm haben wir es auch zu verdanken, dass wir heute zehn Inklusionsunternehmen haben“, erinnerte Wolfgang Gelhard, Hauptgeschäftsführer des Kolping-Bildungswerks Paderborn.
Gemeinsam mit seiner Amtskollegin und Stiftungsvorsitzenden Regina Schafmeister moderierte er die Jubiläumsfeier. Ulrich Adlhoch habe seinerzeit dazu geraten, mit einer großen Zahl an Beschäftigten mit Behinderung auf dem ersten Arbeitsmarkt sichtbar zu werden. „Das war die Initialzündung. Daraufhin haben wir uns aufgemacht, dieses Geschäftsfeld zu entwickeln“, so Gelhard. „Inklusionsfirmen gehören in die Mitte der Gesellschaft,“ betonte Regina Schafmeister.
In Inklusionsbetrieben finde eine Perspektivänderung statt, stellte Ulrich Adlhoch den Mehrwert von Inklusion in seinem Vortrag vor. „In einem Inklusionsbetrieb wird Arbeit so organisiert, dass alle ihre Talente und Fähigkeiten einbringen können. Insofern wird in diesen besonderen Betrieben im Kleinen ein grundsätzlicher Wandel vollzogen. Denn hier werden nicht Arbeitskräfte in einem bestehenden System integriert, sondern die Rahmenbedingungen der Arbeit werden so gestaltet, dass sich möglichst viele einbringen können“, zitierte Ulrich Adlhoch aus dem Buch von Jochen Mack.
Inklusion bringe einen Mehrwert auf drei Ebenen, wie die Studie „Mehr Wirkung inklusive“ der Bundesarbeitsgemeinschaft Inklusionsfirmen zeige: individuell, ökonomisch und gesellschaftlich-politisch. Applaus gab es für das Rechenbeispiel: „Von jedem Euro staatlicher Förderung im Rahmen des Nachteilsausgleichs fließen 1,86 Euro zurück in die Sozialversicherung und das Steuersystem.“
Darüber hinaus seien Inklusionsbetriebe gelebte Beispiele für Demokratie. „Ihr verwirklicht auf dem Arbeitsmarkt das, was wir als Grundrechte verstehen. Unsere Demokratie steht unter anderem für Menschenwürde, für Antidiskriminierung und für gleichberechtigte Teilhabe. Genau das sind die Werte, die ein Inklusionsbetrieb tagtäglich lebt. Das ist die DNA der Inklusionsbetriebe.“ Inklusion sei mit ihren Werten ferner auch höchst christlich. „Deswegen ist sie bei Kolping in Paderborn bestens aufgehoben.“
Glückwünsche von Arbeitsminister Karl-Josef Laumann richtete Claudia Middendorf aus. Die Beauftrage der Landesregierung für Menschen mit Behinderung sowie für Patient*innen betonte in ihrem Grußwort: „Sie zeigen jeden Tag aufs Neue, dass Vielfalt eine Stärke ist.“ Inklusionsunternehmen seien weit mehr als sozialpolitische Projekte. Sie zeigen, „dass wirtschaftlicher Erfolg und gesellschaftliche Verantwortung keine Gegensätze sind. Im Gegenteil: Sie stärken einander. Sie beweisen, dass Qualität, Professionalität und Inklusion hervorragend zusammenpassen.“ Im Hotel Aspethera setze man seit 20 Jahren Maßstäbe für eine inklusive Arbeitswelt – „ein herausragendes Vorbild gelebter Inklusion“.
Ein Ort des Miteinanders sei das Hotel Aspethera auch für die Paderborner und Touristen, brachte Landrat Christoph Rüther eine weitere Facette ins Spiel. Noch heute erkenne man im Hotel Aspethera die Idee, die damals das Kolpinghaus geprägt habe. Damals wie heute werde hier nicht nur Gesellschaft beherbergt, sondern Gesellschaft gestaltet. „Menschen brauchen Orte, an denen sie zusammenkommen.“ Das eigentlich Besondere am Hotel Aspethera seien jedoch die Menschen, die hier arbeiten. „Damals ging es um Teilhabe. Heute geht es um Teilhabe. Nur die Form hat sich verändert. Deshalb sind 20 Jahre Aspethera für mich weit mehr als ein klassisches Hoteljubiläum“, sagte der Landrat. "Wir vom Kreis sind stolz, euch zu haben.“
Glückwünsche gab es auch aus dem Rathaus, die der erste stellvertretende Bürgermeister der Stadt Paderborn Robert Siemensmeyer überbrachte, sowie von Bundespräses Sebastian Schulz.
Vorausgegangen war dem festlichen Bankett, das musikalisch von Saxophonist und Klarinettist Wolf Codera begleitet wurde, ein Gottesdienst in der Busdorfkirche. Für seine Predigt unter dem Leitsatz „Engagiert mit Haltung“ erhielt Weihbischof Josef Holtkotte viel Lob in den Festansprachen: eine ansprechende und ermutigende Predigt, mit der sich viele Gäste identifizieren konnten und daraus viele wertvolle Impulse mit nach Hause nahmen.
Am 17. Mai 2004 wurde die Stiftung KOLPING-FORUM Paderborn errichtet. Der Kolpinghaus Paderborn e. V. brachte das Grundstück als Stiftungsvermögen ein. Im gleichen Jahr riss man das ehemalige Kolpinghaus am Busdorf ab, um an gleicher Stelle das Hotel Aspethera zu errichten.
Bereits am 1. Dezember 2005 waren die Büroräume bezugsfertig, im März 2006 eröffnete das Hotel Aspethera. Seit 2010 ist es als Inklusionsbetrieb anerkannt. Heute arbeiten im Inklusionshotel im Herzen der Paderborner Altstadt 50 Menschen mit und ohne Behinderung auf dem ersten Arbeitsmarkt.
Gefördert wird das Inklusionsunternehmen vom LWL-Inklusionsamt Arbeit. Viele junge Menschen, teils mit besonderem Förderbedarf, sind hier bereits ausgebildet und qualifiziert worden. Neben vielfältigen Ausbildungsmöglichkeiten quer durch die Berufe des Hotel- und Gaststättensektors werden zudem in Kooperation mit dem Jobcenter, den Förderschulen und dem Integrationsfachdienst berufsvorbereitende Möglichkeiten, zum Beispiel Praktikumsplätze, angeboten.