Spenden in Zeiten von Corona

12. Aug 2020

Spenden in Zeiten von Corona

Warum kleine, einkommensgenerierende Projekte gerade jetzt Unterstützung brauchen.

„Zwischen Abhängigkeit und Unabhängigkeit“, sagt Yudy García, sei die aktuelle Lage der Kolping-Kleinproduzent*innen. „Die vergangenen Monate waren nicht einfach für die überwiegend ländliche Bevölkerung unter den Mitgliedern des Partnerkolpingwerkes des Diözesanverbandes Paderborn“, erläutert die Geschäftsführerin des Kolpingwerkes in der Dominikanischen Republik. Dennoch wurde an vielen Stellen deutlich, wie krisenfest die Kolping-Kleinunternehmen sind. Diese kleinen Unternehmen sind es, die das Kolpingwerk Paderborn durch Startfinanzierungen unterstützt.

Die Projekte werden von den Partner*innen vor Ort je nach Bedarfen entwickelt. Einmal im Jahr gibt das Kolpingwerk Paderborn einen aktuellen Projektkatalog heraus. Wer ein oder mehrere Projekte unterstützen möchte, kann aus den hier vorgestellten Projekten auswählen. Gemeinsam mit den Partnerkolpingwerken in Mittelamerika verfolgt der Diözesanverband Paderborn dabei das Ziel, nachhaltige Strukturen aufzubauen, die Verbandsentwicklung zu stärken und individuelle Projekte der Mitglieder zu unterstützen, die langfristig Einkommen schaffen.

Genau dieser Ansatz hat sich nun, in Zeiten der Pandemie, wieder bewährt. „Anstatt von Hilfen abhängig zu sein, kamen Kleinunternehmer*innen selbst in die Rolle der Gebenden“, berichtet Rufino Rodríguez, Leiter des Kolpingwerkes Honduras. So hat sich zum Beispiel die Kolping-Kaffeekooperative COCACCAL der Solidaritätsaktion des Kolpingwerkes Honduras angeschlossen und spendete hierfür Lebensmittel: Bananen, Kochbananen, Kaffee, Mais, Ananas und Maniok.

Aus der Dominikanischen Republik berichtet Yudy García: „In der Krise konnten die Unternehmer*innen auch in der Quarantäne noch fast normal funktionieren, weil die Regierung zur Unterstützung durch die Produzent*innen aufgerufen hatte, um die kleinen Läden und Supermärkte zu versorgen“. Ein Beispiel hierfür ist das Kolping-Bäckereiprojekt von Felipe De la Cruz aus Rancho Arriba, Ocoa, dessen Nachfrage sogar gestiegen ist: „Ich konnte meinen Kindern zu Essen geben und Brot für meine Schwestern und Brüder im ganzen Land produzieren.“

„Menschen mit Talenten und Visionen zu empowern und ihnen die nötige Begleitung und Weiterbildung zu gewähren, das ist der Ansatz der Projektarbeit, wie wir sie mit unseren Partner*innen vor Ort betreiben“, sagt Thorsten Schulz, Diözesansekretär des Kolpingwerkes Paderborn. „Doch so, wie wir diesen Auftrag ernst nehmen, müssen wir auch das System, in dem wir als Partner*innen, als Gebende aus dem Globalen Norden agieren, stetig hinterfragen“, so Schulz.

Es ist ein schmaler Grat im Spendenwesen: zwischen Dankbarkeit und Hierarchien, zwischen der Darstellung von Hilfsbedürftigkeit und der rettenden Intervention des Globalen Nordens. „Wir dürfen nicht den Fehler machen, die Ursachen von Krisen und sozio-politischen Begebenheiten zu verschweigen, indem wir Wege anbieten, die diese kaschieren“, betont Thorsten Schulz. „Ein vertrauensvolles und bedarfsorientiertes Spendenwesen kann nur gelingen, wenn die Geber-Nehmer-Situation gemeinsam reflektiert wird. Wenn Projekte bedarfsorientiert konzipiert sind. Wenn Vertrauen zwischen den Akteur*innen das Maß aller Dinge ist.“

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