Trotz Lockdown: entspanntes Altkleider-Frühjahr erwartet

03. Feb 2021

Trotz Lockdown: entspanntes Altkleider-Frühjahr erwartet

Nein, nicht überquellende Container seien aktuell sein größtes Problem oder Altkleider, für die es keine Abnehmer gebe, sondern zehn verzehrfertige und deshalb logischerweise tote Fische, sagt Christian Rudolphi. Weil die ein paar Tage lang unbemerkt zusammen mit den Altkleidern im Container lagen, mussten die Altkleider kostenpflichtig entsorgt werden, berichtet der Vorsitzende des Kolping-Bezirkes Menden-Fröndenberg im Märkischen Sauerland. Wer die Fische dort entsorgt hat, wo sie ganz bestimmt nicht hingehören, weiß Christian Rudolphi nicht. Die illegale Müllentsorgung in Altkleider-Containern macht auch anderen Kolping-Sammler*innen im Diözesanverband Paderborn Sorgen. Die Corona-Pandemie sehen sie inzwischen entspannt.

Vor einem Jahr war das noch anders: Volle Container, volle Lager, kaum Abnehmer und die Notwendigkeit, beim ersten Lockdown im März 2020 von einem Tag auf den anderen reagieren zu müssen – das stellte die Sammler*innen und Verwerter*innen vor massive Probleme. „Die Situation ist dramatisch“, sagte damals Stephan Kowoll, Geschäftsführer der Kolping Recycling GmbH in Fulda. „Inzwischen ist Routine in die Pandemie-Situation gekommen“, ergänzt Christian Schlingschröder, Vorsitzender des Kolping-Bezirkes Wiedenbrück in Ostwestfalen. „2020 kam der Lockdown überraschend. Inzwischen haben wir die Planungen angepasst. Das entzerrt die Lage.“

Im Bezirk Wiedenbrück stehen 130 Altkleider-Container. In ihnen werden pro Jahr rund 500 Tonnen Gebrauchtkleider gesammelt. Weitere 100 Tonnen kommen bei der Straßensammlung, bekannt unter dem Namen „Aktion Rumpelkammer“, zusammen. In diesem Jahr musste der Bezirk Wiedenbrück wegen der Corona-Pandemie die „Aktion Rumpelkammer“ absagen. „Daraufhin hatten wir mehr Kleiderspenden in den Containern“, sagt Christian Schlingschröder. „Wir haben das bewusst so beworben: Wer seine Altkleider nicht bis zur nächsten Sammlung zu Hause lagern kann, kann sie gerne in einen der Container werfen.“

Von gut gefüllten Containern berichtet in diesen Tagen auch Christian Hoffbauer, Prokurist der „Brücke“ in Bad Lippspringe. Das Inklusionsunternehmen, ein Tochterunternehmen des Kolping-Bildungswerkes Paderborn, arbeitet als Dienstleister für die Kolping Recycling GmbH. Die „Brücke“ übernimmt die Logistik für 410 Altkleider-Sammelcontainer im Erzbistum, von der Leerung der Container bis zur Verladung. „Im Januar ist das Aufkommen immer höher als sonst“, erläutert Christian Hoffbauer. „Zu Weihnachten gibt es oft neue Kleidung. Außerdem haben viele Leute wegen des Lockdowns Zeit, ihre Kleiderschränke aufzuräumen und alte Kleidung auszusortieren.“ Das Team der „Brücke“ leert die Container mindestens einmal pro Woche, sodass immer Platz für die Abgabe der Gebrauchtkleidung sein sollte.

Der Grund, warum alle Beteiligten – anders als vor knapp einem Jahr – dem Frühjahr diesmal weniger angespannt entgegen sehen: Anders als 2020 bleiben die Altkleider diesmal nicht in den Lagern liegen. „Die Märkte sind teilweise offen“, sagt Kolping Recycling-Geschäftsführer Stephan Kowoll. „Vor allem auf dem afrikanischen Markt ist die Nachfrage groß. Hier besteht Nachholbedarf nach dem Stopp im vergangenen Jahr.“ 

Gefragt sei gute Qualität. Deshalb appelliert Stephan Kowoll an die Verbraucher*innen in Deutschland: „Kaufen Sie nicht die billigste Kleidung!“ Aus mehreren Gründen. Sie wird im Gegensatz zu billigen Stücken mit höherer Wahrscheinlichkeit nachhaltig produziert. „Bei einem T-Shirt für 2,99 Euro kann ich sicher sein, dass nicht auf die Öko-Bilanz und die Arbeitsbedingungen geachtet wurde“, betont Stephan Kowoll. Sie hält länger, die Käufer*innen sparen langfristig gesehen sogar dabei. Und sie ist deshalb am Ende auch als Gebrauchtkleidung noch gut tragbar.

Noch einmal zurück zu den toten Fischen: Das Müll-Problem hat nicht nur Christian Rudolphi. Bei der „Brücke“ in Bad Lippspringe stellt Christian Hoffbauer fest, dass sich das Müll-Aufkommen zwischen den Altkleidern verdoppelt hat. Das hat auch mit Corona zu tun. „Manche Wertstoffhöfe sind geschlossen, andere nur nach Terminabsprache geöffnet. Einige Leute entsorgen ihren Müll stattdessen in den Altkleider-Containern.“ Schlimmstenfalls muss dann eine ganze Container-Füllung vernichtet werden und die Erlöse können nicht den gemeinnützigen Kolping-Zwecken zugeführt werden. „Wegen ständigen Müllaufkommens mussten wir sechs unserer bislang 35 Container abziehen. Wir suchen gerade neue Stellplätze“, sagt Christian Rudolphi.

Eine Bitte haben alle Beteiligten an die Spender*innen: die Altkleider nicht vor oder neben den Containern abzulegen, sollten diese doch einmal voll sein. „Werfen Sie sie in den nächsten freien Container, selbst wenn das kein Kolping-Container sein sollte“, sagt der Wiedenbrücker Bezirksvorsitzende Christian Schlingschröder, „oder lagern Sie sie ein paar Tage zu Hause.“ Die Container werden bald geleert, denn die Nachfrage nach Altkleidern ist in diesem Jahr trotz Corona da.

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