"Wenn die Abrissbirne kreist, was bleibt dann noch stehen?" - Ein Impuls von Diözesanpräses Sebastian Schulz

16. Nov 2025

"Wenn die Abrissbirne kreist, was bleibt dann noch stehen?" - Ein Impuls von Diözesanpräses Sebastian Schulz

„Kein Stein bleibt auf dem anderen.“ Das klingt nicht gerade wie ein ermutigendes Sonntagsevangelium. Das klingt eher nach Großbaustelle. Nach Abrissbirne im Dauereinsatz. Nach einer Welt, in der Sicherheiten einstürzen wie alte Fassaden. Und ganz ehrlich: Genau so fühlt es sich manchmal an. Wir leben in einer Zeit, in der vieles ins Rutschen gerät. Politisch, gesellschaftlich, moralisch. Ein Dauerzustand aus Schlagzeilen, Shitstorms und Spaltung. Manche rufen nach einfachen Lösungen, andere gleich nach dem Untergang. Und viele fragen sich: Was trägt noch?

Jesus sagt nicht: „Alles wird gut.“ Er sagt: „Lasst euch nicht erschrecken.“ Das ist kein billiger Trost, sondern eine Einladung zur inneren Stabilität. Zur Haltung, wenn um uns herum alles in Bewegung gerät. Und zur Unterscheidung, wenn die Lauten den Ton angeben.

Denn wenn heute jemand „Ich bin’s!“ ruft und behauptet, die Zeit sei reif für radikale Antworten, dann erinnert uns Jesus daran, nicht blind hinterherzulaufen. Wahrheit hat kein Megafon. Sie ist weniger schrill, aber auch unbequem und widerständig. Sie fordert nicht Gehorsam, sondern Gewissen.

Genau da wird das Evangelium des heutigen Sonntags politisch, ohne parteipolitisch zu sein. Denn Standhaftigkeit ist nicht neutral. Sie hat Haltung. Sie schaut hin. Sie bezieht Position. Und sie bleibt da, wo es weh tut. Deshalb war der Beschluss der Kolping-Bundesversammlung in der vergangenen Woche mehr als nur ein Verwaltungsakt. Es war ein Zeichen. Deutlich, klar und mutig. Wer in einer Partei aktiv ist, die Ausgrenzung zum politischen Prinzip erhebt, hat keinen Platz in einem Verband, der auf Adolph Kolping zurückgeht. Punkt.

Das ist keine Ausgrenzung. Das ist Konsequenz. Kolping war nie eine Wohlfühlbewegung, sondern eine mutige Idee, an dem Glaube und Gesellschaft zusammenkommen. Ein Netzwerk, das nicht wegschaut, wenn andere entmenschlichen. Sondern aufsteht. Klartext redet. Und Brücken baut, wo andere Gräben ziehen.

Jesus verheißt nicht, dass es einfach wird. Er gibt kein Haarspitzenheilversprechen. Aber er sagt: Wer im Glauben standhaft bleibt, wird das Leben gewinnen. Nicht ein bequemes, sondern ein echtes Leben. Eines, das geprägt ist von Vertrauen, Mut und Verantwortung.

Also: Wenn die Abrissbirne weiter kreist, was bleibt dann noch stehen?

Hoffentlich wir. Mit Rückgrat. Mit Haltung. Und mit einem Herzen, das bereit ist, zum Pfand gegeben zu werden für das, was unsere Gesellschaft jetzt wirklich braucht.

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