Gedanken über das Teilen - ein Impuls zu St. Martin von Diözesanpräses Sebastian Schulz

10. Nov 2021

Gedanken über das Teilen - ein Impuls zu St. Martin von Diözesanpräses Sebastian Schulz

"Rabimmel, rabammel, rabumm" – diese paar Laute genügen, und wir sind in Gedanken sofort beim heiligen Martin. "Rabimmel, rabammel, rabumm" - So werden um den Martinstag herum wieder viele Kinder und Erwachsenen singen. In diesem Jahr vielleicht ein wenig lauter und ein bisschen dankbarer, weil im vergangenen Jahr die Martinzüge coronabedingt ausfallen mussten und die bunten Laternen nur das heimische Fenster ausleuchten konnten.

In den nächsten Tagen wird an vielen Orten auch wieder die Legende vom heiligen Martin erzählt und vorgespielt: in Schulen und Kindergärten, in Kirchen und bei Laternenumzügen.

Im 4. Jahrhundert hat Martin gelebt. Er war zuerst römischer Soldat. Er ließ sich taufen, wurde Einsiedler und schließlich Bischof von Tours im heutigen Frankreich. Viele Legenden über ihn wurden erzählt, aber die von der Mantelteilung ist die bekannteste. 

Warum? Vielleicht weil der heilige Martin darin so bildhaft als Vorbild dargestellt wird: So sollte sich Jede*r verhalten. Als Christ*in und als Mitmensch. Auch ich. Wenn ich etwas habe, was für zwei reicht, und ein anderer hat nichts, kann ich ihm doch die Hälfte abgeben, oder? Kindern leuchtet das meistens ein: „Ein halbes Pausenbrot macht immer noch satt. Die Hälfte reicht doch auch.“

"Sankt Martin zieht immer wieder sein Schwert, nicht um seinen sicheren Mantel zu verteidigen, sondern um ihn durchzuschneiden."

Wirklich? Würde mir die Hälfte reichen? Die Hälfte meines Gehalts? Meiner Wohnung? Meines Kleiderschranks? Meines Sparkontos? Bei dem Gedanken sträubt sich etwas in mir. Da möchte ich den roten, weiten, warmen Umhang meiner Absicherungen gleich zwei Mal um mich wickeln. Dabei habe ich doch mehr als genug: Heizung, Pullover, Wärmflasche, Daunendecke, Fleecejacke, Wollstrümpfe und Schal. Nein, frieren muss ich wirklich nicht. Und trotzdem gehe ich so oft auf Nummer Sicher. Lieber doppelt warm und zweifach gesichert.

Aber Sankt Martin zieht immer wieder sein Schwert, nicht um seinen sicheren Mantel zu verteidigen, sondern um ihn durchzuschneiden. So ein geistiges Schwert, so eine geschärfte Aufmerksamkeit, könnte ich auch gebrauchen: um Menschen in Not wahrzunehmen und stehen zu bleiben mit meinem hohen Ross; um zu entscheiden, wie viel Mantel ich eigentlich brauche. Und um mich von etwas zu trennen und zu teilen: Geld, Zeit oder ein freundliches Wort. Irgendetwas, wovon ich genug habe und andere viel zu wenig. 

Die alte Martinslegende jedenfalls behauptet: Der halbe Mantel hält warm genug. Die Hälfte reicht oftmals immer noch.

Sebastian Schulz, Diözesanpräses des Kolpingwerkes Paderborn

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