„Mensch, ärgere dich doch!“ – ein Impuls zum Beginn des neuen Schuljahres

02. Sep 2026

„Mensch, ärgere dich doch!“ – ein Impuls zum Beginn des neuen Schuljahres

Das beliebte Brettspiel „Mensch, ärgere dich nicht“ ist mehr als 100 Jahre alt. Manches hat unser Leben mit einem Spiel gemeinsam. Es gibt Regeln, es gibt Mitspielende, es gibt einen Start und ein Ziel. Es wird gestritten, es wird gemogelt, ... und es fliegt auch schon mal jemand raus. Es ist wie im richtigen Leben: Vermeintlich haben alle die gleichen Startchancen. Aber dann spielt das Leben.

Immerhin, beim „Mensch, ärgere dich nicht“ sitzen wir alle an einem Tisch. Jede*r hat vier Figuren, einen Würfel, die Regeln sind für alle absolut gleich.

Im echten Leben ist das leider nicht so.

Die Realität zeigt, die Startchancen sind zutiefst ungerecht verteilt. Das beginnt nicht erst beim Würfeln. Das beginnt schon vor dem ersten Zug. Es ist pures Glück oder Unglück, auf welchem Erdteil, in welchem Land, in welche Familie hinein wir geboren werden.

Wir wissen, Bildungschancen und Zukunftsaussichten hängen bei uns – trotz aller politischen Bemühungen – immer noch sehr vom Elternhaus, vom sozialen Umfeld ab. Manche Kinder starten das Spiel des Lebens mit einem riesigen Vorsprung und Rückenwind, während andere von Geburt an blockiert sind oder überhaupt keinen Zugang zum Spielfeld finden.

Als Kolping dürfen und wollen wir uns damit nicht abfinden. Adolph Kolping hat das Spielfeld seiner Zeit analysiert und die Ungerechtigkeiten nicht einfach hingenommen. Er wusste, dass Bildung als echte Starthilfe ein Schlüssel für ein gelingendes Leben ist. Wegzusehen war für ihn keine Option.

Das Spiel heißt: „Mensch, ärgere dich nicht.“ Aber im Geiste Kolpings müssen wir sagen: „Mensch, ärgere dich doch!“ Werde aufmerksam. Setz dich ein. Verändere die Regeln dort, wo sie Menschen benachteiligen.

Die Ferien sind zu Ende, die Schule beginnt. Für viele Kinder zum ersten Mal, für andere an einem neuen Ort, an einer neuen Schule. Ihnen allen wünsche ich, dass sie Menschen begegnen, die ihre Talente sehen und fördern, dass sie Orte haben, an denen sie sich nach ihren Möglichkeiten entfalten können, dass sie Freund*innen finden, mit denen das Spiel gelingt und dass sie sich gesegnet und getragen fühlen von einem Gott, der sie sieht und liebt.

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