„Die Menschen in den Mittelpunkt der Kaffeeproduktion stellen“

12. Mai 2021

„Die Menschen in den Mittelpunkt der Kaffeeproduktion stellen“

Die Kolpingwerke Paderborn und Honduras arbeiten seit über einem Jahrzehnt partnerschaftlich zusammen. Ein Teil der Kooperation ist der fair gehandelte Kaffee TATICO. Dabei verfolgt Kolping Honduras das Ziel der gesellschaftlichen Organisierung, unter anderem durch die Gründung solidarischer Gemeinschaften und landwirtschaftlicher Kooperativen.

Mehr als 300 Kaffeeproduzent*innen aus den Regionen El Paraíso, Francisco Morazán, La Paz und Comayagua haben sich zur Kaffeekooperative COCACCAL zusammengeschlossen. Seit dem vergangenen Jahr arbeiten zwei Agraringenieur*innen im Kolpingwerk Honduras. Sie beraten und begleiten die Produzent*innen. Im Interview sprechen wir mit Teresa López und Nilson Amador über ihren Alltag und die Herausforderungen und Chancen ihrer Arbeit.

Warum arbeitet Ihr als Agraringenieurin und Agraringenieur beim Kolpingwerk Honduras?

Nilson Amador (NA): Kolping setzt sich für eine ganzheitliche Entwicklung ein und vertritt Werte und Prinzipien, bei denen die Menschen im Mittelpunkt stehen und gesellschaftliche und ökonomische Gerechtigkeit angestrebt wird. Teamarbeit, Solidarität und Liebe – das ist es, was uns Kolpinggeschwister von anderen unterscheidet. Teil dieses Verbandes zu sein, motiviert mich, meine Kenntnisse mit den Produzent*innen zu teilen.

Teresa López (TL): Mich motiviert vor allem, in direkter Beziehung zu den Produzent*innen zu stehen, mit ihnen gleichwertig meine Kenntnisse zu teilen, gemeinschaftlich zu agieren und stetig daran zu arbeiten, die Qualität in der Kaffeeproduktion zu verbessern. Voraussetzung hierfür sind analytisches und kritisches Denken und die Fähigkeit, Probleme gemeinsam zu lösen. Zudem ist es wichtig, die Möglichkeiten und den Raum für jede*n Produzent*in zu schaffen, eigene Kenntnisse, Fähigkeiten und Werte einzubringen.

Gibt es einen typischen Arbeitstag? Falls ja, wie sieht der aus? Oder ist jeder Tag anders?

TL / NA: Es gibt beides: sowohl den typischen Bürotag als auch die Tage, an denen wir auf den Fincas unterwegs sind. An Bürotagen erstellen wir Berichte, Präsentationen, bereiten Materialien vor oder planen unsere Besuche bei Kaffee produzierenden Kolpingsfamilien.

"Teamarbeit, Solidarität und Liebe – das ist es, was uns Kolpinggeschwister von anderen unterscheidet."

Nilson Amador

Welche Schwerpunkte habt Ihr bei den Schulungsmaßnahmen mit den Produzent*innen?

TL: Auf den Schulungen liegt das Hauptaugenmerk unserer Arbeit. Wir beraten zu Themen wie guter landwirtschaftlicher Praxis, Qualitätskontrollen des Kaffees, Diversifizierung im Anbau und Biolandwirtschaft. Wir möchten erreichen, dass die Produzent*innen ihr Bewusstsein im Umgang mit agrochemischen Produkten steigern und ihren Fokus auf ökologische Praktiken legen.

NA: Wir begleiten die Produzent*innen dabei, Spezialitätenkaffees zu produzieren. Wir unterstützen sie, im Team zu arbeiten, wobei sie sich auf die Werte und Prinzipien Adolph Kolpings berufen.

Welche Rolle spielt der Faire Handel in Eurer Arbeit?

NA: Durch die Praktiken des Fairen Handels erlangen die organisierten Kaffeeproduzent*innen einen direkten Zugang zum Markt und zu geregelten Mindestpreisen. So erzielen sie ein besseres Einkommen, das ihnen hilft, ihre wirtschaftliche Lage zu verbessern. Zudem können hierdurch auch Saison-Arbeitsplätze mit besserer Bezahlung für weitere Personen außerhalb der Familien geschaffen.

TL: Durch den fairen, in unserem Falle direkten Handel, wird eine lange Kette von Zwischenhändler*innen bis hin zu den Konsument*innen zerschlagen. Dadurch werden der Aufwand und die Arbeit, die hinter dem Produkt stecken, wertgeschätzt. Durch Reinvestitionen kann die Produktivität sowie die Qualität der Fincas verbessert werden.

Agraringenieur Nilson Amador besucht einen Kaffeeproduzenten in Honduras.

Welche Rolle spielt die Digitalisierung für Eure Arbeit und für die Produzent*innen?

TL / NA: Für uns spielt sie eine sehr wichtige Rolle. Sie ermöglicht uns, Kontrolle über Daten und Informationen, Kommunikationsinhalte und über die Wissensvermittlung zu haben. Auf Seiten der Produzent*innen ist der Zugang zu digitalen Hilfsmitteln jedoch aufgrund geografischer Begebenheiten begrenzt.

Wie wirkt sich die Corona-Pandemie aus?

TL / NA: Die Produzent*innen haben diverse wirtschaftliche Nachteile, zum Beispiel aufgrund der Zunahme der Kosten für Hygienemaßnahmen und um in den ländlichen Regionen mobil zu sein. Die Wege, um Nahrung und Medikamente zu kaufen, haben sich verlängert. Die Nahrungsmittelpreise sind in der Pandemie erheblich gestiegen. Das Fehlen von Erntehelfer*innen hat die Kaffeeproduzent*innen zusätzlich getroffen. Darüber hinaus hat die Pandemie unseren direkten Kontakt zu den Produzent*innen teilweise unterbrochen.

"Durch den fairen und direkten Handel werden der Aufwand und die Arbeit, die hinter dem Produkt stecken, wertgeschätzt."

Teresa López

Was wünscht Ihr Euch für die Produktion und den Handel von Kaffee in den nächsten zehn Jahren?

TL / NA: Für die Kaffeeproduktion wünschen wir uns herausragende Qualitäten und eine nachhaltige Produktion mit einem ökologischen Ansatz, der zur Gesundheit aller Menschen entlang der Prozesskette beiträgt. Wir wünschen uns außerdem, dass es in unserem Land einen Markt mit fairen Preisen gibt, dass alle Produzent*innen die gleichen Zugangschancen zum Markt haben und einen Preis erhalten können, der der Qualität ihres Kaffees wirklich entspricht.

Ist Eure Beziehung zum Kaffee ausschließlich professionell oder seid Ihr selbst Kaffeeliebhaber*in?

TL: Meine Beziehung zum Kaffee ist eher beruflich. Ich bin nicht mit dem Kaffeeanbau aufgewachsen. Dennoch habe ich seit dem Beginn meines Studiums viel Wissen erlangt. Ich versuche, meine Aufgaben stets mit Hingabe zu erfüllen. Dabei ist es mir wichtig, nie das eigene Lernen aus dem Blick zu verlieren.

NA: Meine Beziehung zum Kaffee hat begonnen, als ich sehr jung war. Ich bin mit dem Kaffeeanbau groß geworden. In dieser Zeit hat meine Liebe zur Landwirtschaft begonnen und ich habe eine persönliche Leidenschaft für Kaffee. Auf professioneller Ebene habe ich weitere Kenntnisse über den Kaffeeanbau, auch den biologischen Anbau, gewonnen. Ich möchte dieses Wissen an andere Menschen weitergeben.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Ramona Linder.

Das Spendenprojekt des Monats Mai 2021 ist die Stellenfinanzierung einer Agraringenieurin in Honduras.

Die Finanzierung der Stelle von Teresa López ist auch unser Spendenprojekt des Monats Mai. Weitere Informationen zu unseren Spendenprojekten bekommen Sie hier.

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