30. Sep 2026

„Ein Tag wie ein Einmachglas“ war dieser Tag in Soest. So fasste es einer der Teilnehmenden zusammen. Nämlich: „Randvoll.“ In diesem Fall mit Informationen, Austausch und der Möglichkeit, Netzwerke zu knüpfen und zu pflegen. Kolping Paderborn hatte am vergangenen Samstag (26. September 2026) zum Fachtag Internationale Arbeit ins Hotel Susato eingeladen. 15 Teilnehmende aus dem Gebiet des Diözesanverbandes und zwei kompetente Referenten mit spannenden Vorträgen und Workshops waren der Einladung gefolgt.
Dr. Markus Demele, Generalsekretär von KOLPING INTERNATIONAL, beschrieb in seinem Vortrag die sich verschärfenden Rahmenbedingungen der internationalen Zusammenarbeit – und leitete daraus ab, warum dieses Engagement gerade jetzt wichtig ist. „Weltweit gibt es Krisen und Kriege, in vielen Ländern gerät die Zivilgesellschaft unter Druck und in Deutschland hat die internationale Zusammenarbeit politischen Gegenwind bekommen“, so Demele. So seien im Bundesetat die Mittel dafür seit 2023 um 17 Prozent gekürzt worden.
Hier werde jedoch an falscher Stelle gespart, erläuterte Demele: „Studien belegen, dass jeder Euro, der in die Entwicklungszusammenarbeit investiert wird, 2,50 Euro zurückbringt.“ Denn diese Investitionen bringen den Ländern, in die das Geld fließt, gesellschaftliche und wirtschaftliche Stabilität – und damit langfristig auch neue Märkte für deutsche Unternehmen.
KOLPING INTERNATIONAL bündelt das Engagement von rund 400.000 Mitgliedern in 9.700 Kolpingsfamilien in 60 Ländern auf fünf Kontinenten. „Die einzelnen Entwicklungsprojekte sind dabei Mittel zum Zweck. Unser Ziel ist eine starke, handlungsfähige Zivilgesellschaft“, betonte Demele. Verbandsgründer Adolph Kolping war im 19. Jahrhundert ein Mitbegründer der katholischen Soziallehre, auf der das Engagement heute noch beruht. „Das Selbstvertrauen von Menschen verändert die Welt. Das hat Adolph Kolping schon gewusst, als er sich während der Industriellen Revolution der Handwerksgesellen annahm.“ KOLPING setzt auf Partnerschaften auf Augenhöhe. „Wir organisieren Geschwisterlichkeit als dauerhafte Beziehung“, so Demele. Bei KOLPING INTERNATIONAL entscheidet der Globale Süden mit, unter anderem durch Sitze und Stimmen im Generalrat.

In der anschließenden Diskussion hob Demele auch seine persönliche Motivation hervor. „Aus dem Austausch mit anderen Kulturen geht man verändert hervor. Internationale Zusammenarbeit macht Freude.“
KOLPING Paderborn arbeitet seit vielen Jahren mit den Kolpingwerken in den Partnerländern Mexiko, Honduras, Costa Rica und der Dominikanischen Republik zusammen. Die Teilnehmenden aus verschiedenen Kolpingsfamilien brachten zudem ihre Erfahrungen aus eigenen Partnerschaften mit Kolpingsfamilien in Uganda, Benin, Bolivien Kroatien und Albanien ein. „Internationale Projekte sind eine gute Möglichkeit, junge Menschen für das Thema zu begeistern“, betonte Daniel Fissenewert, Diözesansekretär von KOLPING Paderborn. „Gleichzeitig fördern sie den kulturellen Austausch und das gegenseitige Lernen.“ Unter anderem die Süd-Nord-Freiwilligendienste, bei denen seit einigen Jahren junge Menschen aus den Partnerländern ein Jahr lang im Gebiet des Diözesanverbandes Paderborn leben und in Einrichtungen des Kolping-Bildungswerkes Paderborn arbeiten. Die Freiwilligen des aktuellen Jahrganges sind Anfang September in Deutschland angekommen.
„Aus dem Austausch mit anderen Kulturen geht man verändert hervor. Internationale Zusammenarbeit macht Freude.“
Dr. Markus Demele, Generalsekretär von KOLPING INTERNATIONAL
Wie sehr einzelne Bilder unser Gesamtbild von einem Land oder einem ganzen Kontinent prägen, machte Julian Schweer vom Team Weltkirche des Erzbistums Paderborn in seinem Workshop deutlich. „Noch immer zeigt sich in vielen unserer Fotos der touristische oder sogar kolonialistische Blick, mit dem wir aufgewachsen sind“, so Schweer. Deutlich machte er dies an einem wahrscheinlich in den 1980er Jahren in Afrika aufgenommenen Foto, das augenscheinlich unterernährte Kinder zeigt. Allerdings fehlte der Kontext komplett, sodass die Betrachtenden viele Informationen durch erlernte Klischees ersetzen. „Gerade in Zeiten sozialer Medien ist dies eine große Gefahr, denn Fotos können schnell und überall hochgeladen, veröffentlicht und weiterverbreitet werden.“

Das Ziel des Referenten: die Teilnehmenden für die Macht und daraus resultierend die Verantwortung zu sensibilisieren, die sie beim Fotografieren – oft unbewusst – haben. „Sobald das Foto gemacht ist, sind die abgebildeten Personen der Interpretation der Betrachtenden ausgeliefert.
Dabei fungieren einzelne Fotos oft als Bestätigung eines bestehenden Bildes, das wir von einer Region, einem Land oder einem Kontinent haben“, erläuterte Schweer. Er empfiehlt, sich dieser Mechanismen bewusst zu sein, das Einverständnis der abgebildeten Personen einzuholen – und sich die Frage zu stellen: „Möchte ich selbst so abgebildet werden?“