„Aus der Taufe heben“ - das Wunder des Christwerdens neu entdecken

08. Jan 2023

„Aus der Taufe heben“ - das Wunder des Christwerdens neu entdecken

Es ist zwar nur eine Redewendung, aber sie hat es in sich: Wenn eine politische Reform auf den Weg gebracht wird, ein innovatives Projekt startet oder eine Einrichtung feierlich eröffnet wird, dann wird etwas „aus der Taufe gehoben".

Auch wenn diese Redewendung oft nicht religiös gemeint ist, ihre Wurzeln liegen in der Taufpraxis der Alten Kirche. Auch heute noch wird in manchen christlichen Gemeinschaften so getauft: Ein erwachsener Mensch steht bis zu den Kniegelenken im Wasser und wird vom Taufenden rücklings untergetaucht und wieder aus dem Wasser herausgehoben. Das Untertauchen steht symbolisch für den Tod Jesu, das Auftauchen für seine Auferstehung. Das „alte Leben“ bleibt zurück, ein „neues Leben“ beginnt, das Leben mit Gott.

In unserer Taufpraxis werden nur selten Menschen im Wasser untergetaucht. Im dreimaligen Übergießen des Kopfes mit Wasser, wird dies lediglich angedeutet. Die Grundbedeutung aber bleibt: Wenn ein Mensch „aus der Taufe gehoben wird", beginnt etwas Neues. Unser Glaube sagt sogar: Es geschieht ein Wunder. Ob das den Eltern und Paten bewusst ist, wenn sie ihr Kind taufen lassen? Ist uns bewusst, welch großartiges Wunder in unserer Gemeinde geschieht, wenn ein Mensch getauft wird?

Bei der Taufe Jesu im Jordan öffnete sich der Himmel, der Heilige Geist kam in Gestalt einer Taube auf ihn herab, und eine Stimme aus dem Himmel war zu hören: „Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe.“ 

Das hat auch eine Bedeutung für mein christliches Leben: Auch bei meiner eigenen Taufe öffnete sich der Himmel über mir und der Heilige Geist, kam auf mich herab. Seitdem wohnt er in mir, wirkt in mir und durch mich. Gott sprach auch mir seine liebende Zusage zu: Ich habe an dir Wohlgefallen gefunden. Du gefällst mir. Ich erfreue mich an dir. Du bist kein Produkt des Zufalls, keine Laune der Natur. Du darfst dir meiner Nähe sicher sein. Du bist geliebt!

Diese Zusage Gottes ist das Urwort des Wohlgefallens, dass er über unser Leben gesprochen hat. Er ist unser Vater und wir sind seine Kinder. Mit diesem liebevollen Urwort geleitet er uns durchs Leben.

Damit will er uns helfen, auch den Unworten des Lebens standzuhalten. Vielleicht sind es angstmachende Worte aus Kinder- und Jugendtagen. Vielleicht klingen die einen oder anderen noch heute in uns nach oder haben sogar heute noch lähmende Wirkung: „Aus dir wird eh nichts!", „Was soll aus dir schon werden?“, „Du taugst zu nichts!" „Du bist doch an Allem schuld!", oder gar: „Du wärest am besten gar nicht geboren!" 

Immer wieder sind wir gefordert, das Wort Gottes aus dem Wortgewirr des Lebens herauszufiltern. Denn dieses kann uns aufbauen. Es lädt uns zu einem lebendigen und aktiven Leben ein. Es fordert uns auf, das Ja zu uns selbst und zu dieser Welt immer wieder zu erneuern.

"Immer wieder sind wir gefordert, das Wort Gottes aus dem Wortgewirr des Lebens herauszufiltern. Denn dieses kann uns aufbauen. Es lädt uns zu einem lebendigen und aktiven Leben ein."

Das heutige Evangelium berichtet davon, dass Jesus zu Johannes an den Jordan kam, um sich taufen zu lassen. Die Initiative geht also von Jesus aus. Er wurde nicht überredet, mitgeschleift, oder war zufällig da. Es war keine spontane Aktion. Jesus geht bewusst dorthin, wo sich auch die anderen Menschen von Johannes zur Vergebung ihrer Sünden taufen lassen. Jesus geht bewusst hinein in unsere Welt. Er reiht sich sogar in die Schar derer ein, die von Johannes die Taufe zur Vergebung ihrer Sünden erbeten.

Wir können das auch für unser Leben deuten: Jesus steigt mit uns hinab in das Wasser, in all das, was unser Leben bedroht und gefährdet. Er hebt uns aus dem Schattenreich des Todes ins neue Leben seiner Auferstehung.

Das Fest der Taufe des Herrn ist ein schönes und wichtiges Fest. Es ist mehr als ein Schlusspunkt, der die Weihnachtszeit beschließt. Es ist auch mehr als ein Doppelpunkt, der die Zeit im Jahreskreis eröffnet. Dieses Herrenfest ist vor allem ein großes Ausrufezeichen im Festkreis des Jahres: Gott will Dir nah sein. Er will, dass Dein Leben gelingt und zum Heil führt.

Aus dieser trostvollen und liebenden Zusage Gottes heraus dürfen wir leben und neu beginnen. Gerade dann, wenn uns Tiefschläge des Lebens treffen, dürfen wir uns die Liebeserklärung Gottes erneut zusprechen lassen: Du bist mein geliebter Sohn, du bist meine geliebte Tochter, du bist mir ans Herz gewachsen, ich bin bei dir, du gefällst mir, ich freue mich über dich – und ich vergesse dich niemals! 

Versprochen!

(Gedanken zum Fest der Taufe des Herrn von Diözesanpräses Sebastian Schulz)

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