Nachtwallfahrt aus Tradition: Kolpingsfamilien pilgern nach Wiedenbrück

11. Mai 2022

Nachtwallfahrt aus Tradition: Kolpingsfamilien pilgern nach Wiedenbrück

Nach der zweijährigen Corona-Pause machten sich nun wieder die Kolpingsfamilien aus dem Bezirksverband Wiedenbrück auf den Weg zur Gottesmutter nach Wiedenbrück. Viele Teilnehmer*innen waren in diesem Jahr wieder mit dem Fahrrad zur Klosterkirche gekommen. Es ist eine lange Tradition, die bis heute gepflegt wird. Die Nachtwallfahrt geht zurück auf dramatische Ereignisse kurz nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahr 1933.

Der erste deutsche Gesellentag der Kolpingsfamilien vom 8. bis 11. Juni 1933 stand unter keinem guten Stern: Nachdem durch die bayrische Polizei ein Veranstaltungsverbot erfolgt war, erwirkten der Kolping-Generalpräses und der Generalsekretär durch viele Zugeständnisse eine Zulassung. So durften die Banner nur eingerollt getragen werden. 

Münchens Polizeichef Heinrich Himmler und sein Stellvertreter Reinhard Heydrich inszenierten die Veranstaltung als eine Machtprobe. Plötzlich fiel die Kolpingkluft unter ein willkürlich verhängtes Uniformverbot. Unter den Augen der Polizei wurden Kolpingmitglieder von SA-Männern bespuckt und verprügelt, Abzeichen abgerissen, Banner geraubt und zerstört. Schließlich musste der Kolpingtag abgebrochen werden.

Die anwesenden Kolpingmitglieder aus dem Bezirksverband Wiedenbrück versteckten das Banner unter ihrer Kleidung und ließen den Bannerstab zurück. Sie baten die Gottesmutter um Schutz und gelobten, dass sie bei unversehrter Heimkehr jedes Jahr zum Gnadenbild in die Klosterkirche pilgern wollten.

In der schweren Zeit pilgerte man aus Angst vor Repressalien in der Dunkelheit. So wird die Nachtwallfahrt auch nach 89 Jahren alljährlich durchgeführt. Viele Teilnehmer*innen kommen heute noch wie damals zu Fuß oder mit dem Fahrrad.

Die Gestaltung der Messfeier hat in diesem Jahr die Kolpingsfamilie Mastholte mit dem Männergesangsverein und dem Trompeter Norbert Großewinkelmann übernommen. Der bisherige Bezrkspräses aus Halle, Michael Krischer, zelebrierte die Wallfahrtsmesse. Er erinnerte an den Ursprung der Wallfahrt und die Angst und Nöte, die die heutigen Kriege verursachen.

Nach dem Gottesdienst trafen sich die Pilger*innen im Aegidiushaus zur Stärkung für den Heimweg zur Nachtzeit, aber auch zum Gespräch über die Kolpingarbeit in unserer Zeit. 

Zur Erinnerung und Mahnung wurde vom Bezirksverband Wiedenbrück eine Stele an der Klosterkirche aufgestellt. Anlass war das 100-jährige Bestehen des Kolping-Bezirksverbandes Wiedenbrück im Jahr 2012. Der Herzebroker Bildhauer Hans-Bernhard Vielstädte schuf das Kunstwerk aus Wrexener Sandstein. Nach dem Zusammenschluss mit dem Bezirksverband Halle sind nun alle Kolpingsfamilien des Kreises Gütersloh, soweit sie zum Erzistum Paderborn gehören, im Bezirk Wiedenbrück vereint. Aktuell sind in den 20 Kolpingsfamilien mehr als 4.200 Mitglieder gemeldet.

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