30. Aug 2025

Stefan Göllner bringt es auf den Punkt: „Künstliche Intelligenz hat das Potenzial, das Ehrenamt attraktiver zu machen. Wir dürfen nur nicht denken: Jetzt ist die KI da und alle Probleme sind gelöst.“ Göllner ist Innovationmanager beim Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft mit Sitz in Essen. Er entwirft digitale Lernformate zu Künstlicher Intelligenz und betreut den KI-Campus des Stifterverbandes mit kostenlosen Fortbildungen.
KI ist mehr als ein Hype, sagt Stefan Göllner und verweist auf eine Studie von „digital verein(t)“, bei der 2024 32 Prozent der Befragten angaben, Künstliche Intelligenz im Ehrenamt zu nutzen. Eine spielerische Herangehensweise könne anfangs helfen, Skepsis abzubauen. „Langfristig muss Künstliche Intelligenz in Vereinen aber systematisch implementiert werden“, ist Stefan Göllner überzeugt.
Diese Einschätzung teilt Christian Kaiser, der bei der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt das Thema KI verantwortet: „Künstliche Intelligenz kann Dinge erledigen, für die mir meine Zeit im Ehrenamt eigentlich zu wertvoll ist, zum Beispiel Verwaltung. Das werden viele Vereine in drei bis fünf Jahren positiv für sich nutzen. Die eigentlichen Hemmnisse, sich ehrenamtlich zu engagieren, werden aber durch die KI nicht beseitigt.“ Als Beispiele nennt Kaiser, dass Menschen immer weniger Zeit fürs Ehrenamt haben und sich nicht mehr langfristig an einen Verein binden möchten. „Ich beobachte, dass die Menschen aktuell zwiegespalten sind. Neugier und eine gewisse Faszination sind da, aber auch Ehrfurcht und Skepsis.“
Am häufigsten nutzen ehrenamtlich Engagierte Künstliche Intelligenz derzeit zur Texterstellung für Presseberichte, Social-Media-Postings und Newsletter, aber auch, um zu einem Thema Ideen und Anregungen zu bekommen. Das ist jedoch nur ein kleiner Teil des Potenzials. Neben der Schaffung von Bildern kann man unter anderem Projektpläne erstellen, Mitgliederumfragen konzipieren und auswerten oder die gesamte Planung komplexer Veranstaltungen wie eines Sportturnieres der KI übergeben. „Ein Aufwand, der sich lohnt“, sagt Stefan Göllner vom Stifterverband, „denn die einmal erstellten Eingaben können abgewandelt und verfeinert und dann immer wieder verwendet werden.“
Zwischen Faszination und Skepsis, zwischen großem Potenzial und einem Bruchteil von dessen Nutzung sehen beide Experten einen großen Bedarf an Schulungen und Fortbildungen. Die Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt bietet neben kostenlosen Onlineseminaren auch kostenlose Beratung und Förderprogramme, mit denen Vereine ihre Digitalisierung (zumindest teilweise) finanzieren können. „Daneben steht den Teilnehmenden die Community zum Austausch zur Verfügung“, sagt Christian Kaiser. Der Stifterverband hat den KI-Campus ins Leben gerufen. Neben Onlinekursen bietet er Videos und Podcasts, auch zum Thema Künstliche Intelligenz und Ethik.
Die Links zu diesen und weiteren kostenlosen Seminarangeboten zum Thema Künstliche Intelligenz und Ehrenamt haben wir hier zusammengestellt (alle Links führen zu den externen Internetseiten der jeweiligen Anbieter, Stand: Redaktionsschluss der PRAXIS & NAH 3/2025 / Ende August 2025):