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„Die Politik ist gefordert – die Verbraucher haben Einfluss“

Corona-Ausbruch im Schlachtbetrieb Tönnies in Rheda-Wiedenbrück: Kolpingwerk Paderborn setzt sich für neue Rahmenbedingungen und nachhaltigen Konsum ein.

Nach dem massiven Ausbruch von COVID-19 in Europas größtem Schlachtbetrieb Tönnies in Rheda-Wiedenbrück fordert das Kolpingwerk Paderborn neue politische Rahmenbedingungen für diese Unternehmen. Gleichzeitig möchte das Kolpingwerk die Konsument*innen sensibilisieren: „Durch ihr Verhalten bestimmen sie die Nachfrage nach billigem Fleisch und damit das Angebot und die Bedingungen, unter denen produziert wird, mit“, betont Diözesansekretär Thorsten Schulz.

„Menschenrechts-, Arbeits- und Umweltbedingungen entlang der Lieferketten von den Produzent*innen bis zu den Konsument*innen müssen zum Wohl aller Beteiligten gestaltet sein“, so Schulz. Dies gelte regional, national und weltweit. Deshalb unterstützt das Kolpingwerk seit Anfang dieses Jahres die Initiative Lieferkettengesetz, einen Zusammenschluss zahlreicher Organisationen, unter anderem KOLPING INTERNATIONAL, der Deutsche Gewerkschaftsbund, ver.di, Misereor, das Erzbistum Paderborn und Adveniat. Die Initiative setzt sich für einen gesetzlichen Rahmen ein, der entlang weltweiter Lieferketten sicherstellt, dass die Menschenwürde geachtet und die Menschenrechte verwirklicht werden. „Freiwillig kommen Unternehmen ihrer Verantwortung nicht ausreichend nach“, heißt es bei der Initiative Lieferkettengesetz.

Der Kolping-Bezirksverband Wiedenbrück, in dessen Gebiet die Stadt Rheda-Wiedenbrück und der Schlachtbetrieb Tönnies liegen, konkretisiert die Forderungen nach geänderten politischen Rahmenbedingungen. Zum einen müsse die Wohnsituation der Beschäftigten, die vorrangig aus Osteuropa kommen, unter die Lupe genommen und geändert werden. „Zum Teil leben dort drei oder vier Familien in einer Wohnung, ohne jede Privatsphäre“, heißt es beim Bezirksverband. Zum anderen ließen die Werkverträge der Arbeiter*innen keine adäquaten Arbeitsbedingungen zu. „Das alles ist rechtlich in Ordnung. Deshalb richtet sich unsere Forderung an die Politik, die Rahmenbedingungen jetzt zu ändern. Die Situation ist in der Region schon lange bekannt. Die Politik hat zu lange gewartet – bis es richtig geknallt hat.“

Eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen sei auch ganz im Sinne des Verbandsgründers Adolph Kolping, betont der Bezirksverband Wiedenbrück. Kolping habe sich zu seiner Zeit für bessere Bedingungen für Arbeiter und Auszubildende eingesetzt. Sein Gedanke lasse sich gut auf die aktuelle Situation übertragen.

„Bei der Fleischproduktion darf es nicht ausschließlich um die Maximierung wirtschaftlicher Erträge gehen“, sagt Diözesansekretär Thorsten Schulz. Diese Argumentation stützt Kai Kuhnhenn vom Konzeptwerk Neue Ökonomie in Leipzig. „Permanentes Wachstum ist schlecht, weil wir ihm alles unterordnen,“ sagte er im Hebst vergangenen Jahres bei einer Fachtagung des Kolpingwerkes zum Thema nachhaltiges Wirtschaften. „Eine nur auf Wachstum ausgelegte Ökonomie muss deshalb früher oder später scheitern.“

Neben den Forderungen an die Politik möchten das Kolpingwerk Paderborn und der Bezirksverband Wiedenbrück auch die Konsument*innen sensibilisieren. „Auch wenn der oder die Einzelne scheinbar nur wenig ausrichten kann, die Verbraucher*innen beeinflussen durch ihr Kaufverhalten die Nachfrage und nehmen damit auch Einfluss auf das Angebot und die Produktionsbedingungen“, sagt Thorsten Schulz. Der Gedanke dahinter ist bekannt und wird auch von Ernährungsexpert*innen empfohlen: seltener Fleisch essen, dafür aber höherwertige Produkte kaufen. „Oft unterschätzen die Konsument*innen noch die Macht, die sie mit ihrem Kaufverhalten haben.“

(Foto: Pixabay, wir weisen darauf hin, dass es sich nicht um ein Foto aus dem Schlachtbetrieb Tönnies handelt)