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„Lateinamerika wird von der Weltöffentlichkeit vergessen“

Lateinamerika ist laut der Weltgesundheitsorganisation WHO seit einigen Wochen das neue Epizentrum der Covid-19-Pandemie. Noch immer steigen die Infektionszahlen stark an.

Inmitten der Pandemie kündigt das Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung den Reformprozess BMZ2030 an. Dieser hat ein Ende der bilateralen Entwicklungszusammenarbeit mit mehreren lateinamerikanischen Ländern zur Folge. Das Kolpingwerk Paderborn kritisiert diese Entscheidung.

Insgesamt belaufen sich die bestätigten Erkrankungen in ganz Lateinamerika laut Johns-Hopkins-University auf fast 1,5 Millionen. Rund 75.000 Menschen in der Region sind laut offiziellen Angaben an oder mit dem Virus verstorben. Expert*innen gehen davon aus, dass die Dunkelziffer weitaus höher liegt. Bereits Anfang April warnte der Direktor des Instituts für Studien zur Gesundheitspolitik (IEPS) in Rio de Janeiro, Miguel Lago: „Unsere Region könnte sich in das größte Opfer von Covid-19 verwandeln“. Er sollte Recht behalten.

In der Berichterstattung in Deutschland, deren Bild vom amerikanischen Kontinent sich hauptsächlich aus Nachrichten aus Brasilien und den USA ergibt, finden Meldungen scheinbar unbedeutender Länder kaum Beachtung. Doch gerade hier, in Honduras, Nicaragua, El Salvador und der Dominikanischen Republik, verschärft sich die Krise zu einer Hungerpandemie. Analysten von Goldman Sachs korrigieren die bisherigen Schätzungen zum Rückgang der regionalen Wirtschaftsleistung stetig nach oben. Sechs der zehn am meisten durch die Krise gefährdeten Schwellenländer befinden sich in Lateinamerika. Ein weiterer Grund zur Sorge ist die hohe Staatsverschuldung der Länder, gepaart mit sinkenden Rohstoffpreisen seit Ausbruch der Pandemie. Vor allem die karibischen Staaten sind durch ihre Abhängigkeit vom Tourismus weiter in die wirtschaftliche Not gerutscht.

Über die Hälfte der Bevölkerung in Lateinamerika arbeitet im informellen Sektor. Ausgangssperren trafen die zumeist als Tagelöhner*innen arbeitende Bevölkerung unvorbereitet. Soziale Sicherungsnetzte gibt es im informellen Sektor nicht. In Honduras kam es aufgrund der Ausgangsbeschränkungen, die für die große Mehrheit den völligen Wegfall ihres Einkommens bedeuten, zu Hungerrevolten und Plünderungen.

In Guatemala kommen auf 1.000 Einwohner*innen nur 0,6 Krankenhausbetten. Im lateinamerikanischen Durchschnitt kommen auf 1.000 Menschen ein bis drei Ärzte. Die Gesundheitssysteme sind überlastet, der Zugang durch die weit verbreitete Zwei-Klassen-Medizin von staatlichen und privaten Kliniken eingeschränkt. Ein Stadt-Land-Gefälle, das sich sowohl in der Qualität der medizinischen Versorgung als auch im Zugang durch zu überbrückenden Entfernungen äußert, verschlimmert die Situation. Bei einem schweren Krankheitsverlauf entscheiden weniger das Alter oder die Vorerkrankungen, sondern das Bankkonto und der Wohnort über Leben und Tod. Zusätzlich brachten zwei Tropenstürme Starkregen und Hochwasser und erschweren die ohnehin schon prekäre Versorgungssituation. Als Nebeneffekt verstärken die Wassermassen eine weitere Epidemie: das Denguefieber.

Inmitten dieser Situation verabschiedet das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) den Reformprozess BMZ2030, der zur Folge hat, die staatliche Entwicklungszusammenarbeit mit Staaten in Lateinamerika einzustellen. In einer Stellungnahme des Verbandes Entwicklungspolitik und Humanitäre Hilfe deutscher Nichtregierungsorganisationen (Venro) heißt es hierzu: „Es fällt auf, dass die bilaterale Zusammenarbeit stark auf Länder in Afrika und teilweise im Nahen Osten konzentriert ist. Länder aus Lateinamerika und Asien wurden bei der Länderauswahl kaum berücksichtigt.“

In einem Interview mit dem Domradio (Köln) betonte Markus Demele, Generalsekretär von KOLPING INTERNATIONAL, dieser Schritt bedeute nicht „dass die viele gute Arbeit von Kirche und auch von zivilgesellschaftlichen Organisationen nicht mehr mit öffentlichen Geldern gefördert wird. Das ist weiterhin möglich.“

Thorsten Schulz, Diözesansekretär des Kolpingwerkes Paderborn und Vorsitzender des Finanzausschusses von KOLPING INTERNATIONAL, kritisiert: „Der Reformprozess offenbart in unbekannter Deutlichkeit die geostrategischen Interessen Deutschlands. Für Länder in Lateinamerika ist dies keinesfalls ein Signal in Richtung eines gemeinsamen Weges in die Unabhängigkeit deutscher Entwicklungshilfe-Gelder, sondern vielmehr eine Demonstration klarer Interessenspolitik.“ Auch Adveniats Mittelamerika-Referentin Ines Klissenbauer betont: „Diese kleinen Länder befinden sich in einer schwierigen Lage, immer mehr von der Weltöffentlichkeit vergessen und verlassen zu werden.“

„Hier wird gratis geimpft, jeden Tag“ steht auf diesem Schild. Der Zugang zum Gesundheitswesen in Lateinamerika ist für viele Menschen problematisch – und die Situation verschärft sich weiter.