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Maria schaut auf uns – auch wenn das Leben schwer ist

Ein geistlicher Impuls zum Jahresbeginn 2020 von Diözesanpräses Sebastian Schulz.

Im Treppenhaus einer alten Grundschule sitzt ein Erstklässler. Ganz allein hockt er auf der untersten Stufe. Seine Mitschüler sind alle schon weg. Neben ihm liegen sein Ranzen und sein Turnbeutel. Der Junge wischt sich mit seinem Ärmel die Tränen aus dem Gesicht. „Warum weinst du denn?“, fragt eine einfühlsame Stimme. Seine Klassenlehrerin ist auf den Jungen aufmerksam geworden und hat sich zu ihm auf die Treppenstufe gesetzt. Er hatte sie gar nicht kommen hören. „Es ist so schwer …“, bringt er schluchzend hervor. Die Lehrerin überlegt einen Moment. Dann fragt sie: „Du meinst deinen Ranzen und den Turnbeutel?“ Der Junge schüttelt den Kopf. „Schaffst du deine Hausaufgaben nicht?“, fragt die Lehrerin weiter. „Nein, das ist nicht so schwer“, bekommt sie zur Antwort. Fragend schaut die Lehrerin das Kind eine Weile an: „Aber was ist es denn dann, was dich so traurig macht?“
Da sagt der Erstklässler: „Das ganze Leben ist so schwer! Ich glaub, ich schaff‘ das nicht.“
Irgendetwas belastet den Jungen in der Geschichte so sehr, dass ihm seine Zukunft große Sorgen bereitet. Er hat große Sorge, dass er es nicht packt, sein Leben zu meistern. Dieser Erstklässler ahnt die ganze Last des Lebens. Er weiß nicht, was die Zukunft für ihn bereithalten wird. Und vielleicht hat er gerade deshalb Angst davor, dass ihm das Leben zu schwer werden könnte.
Die Geschichte weckt in mir ein inneres Bild: Mir kommt es so vor, als ständen wir, heute am 1. Januar, vor einer Treppe, die so viele Stufen hat, wie das Jahr Tage. Niemand weiß, was sich auf den 366 Stufen alles ereignen wird.
Wer auf der untersten Stufe steht und nach oben schaut, könnte diese Jahrestreppe als „erschlagend“ oder „bedrohlich“ empfinden. Er könnte sich fragen: Was wird im neuen Jahr auf mich und meine Familie zukommen? Was für Schwierigkeiten wird es zu bewältigen geben? Wie werden sich die Konflikte und Nöte auf dieser Welt entwickeln? Was wird aus der Europäischen Union? Was wird helfen, die auseinanderdriftende Gesellschaft zusammenzuhalten? Wie werden die drängenden Zukunftsfragen unserer Kirche beantwortet? Wie steht es um die Zukunft meiner Kolpingsfamilie? Viele Fragen, aber (noch) keine Antworten. Da kann einem schon am ersten Tag des Jahres, beim ersten Schritt auf dieser Jahrestreppe, der Mut abhandengekommen. Wie der Erstklässler in der Geschichte mag der ein oder andere das Gefühl haben: „Das könnte schwer werden! Ich glaub, ich schaff‘ das nicht.“
Wie jedes Jahr stellt uns die Kirche heute, am 1. Januar, die Gottesmutter Maria an unserer Seite. Maria möchte sich zu uns setzen, wenn wir mutlos, ratlos oder von Sorgen geplagt auf der untersten Stufe der Jahrestreppe hocken. Wie die Lehrerin in der Geschichte möchte auch sie für Dich und mich ein offenes Ohr haben für unsere Sorgen und Ängste. Einfühlsam flüstert jedem einzelnen zu „Hab Vertrauen ins Neue. Gott ist bei dir!“
Von Maria können wir viel lernen. So könnte sie uns vielleicht auch ein Vorbild darin sein, wie sie mit vielen Geschehnissen umgeht.
Als die Hirten ihr von den Worten der Engel über das Jesuskind erzählen, da heißt es im heutigen Tagesevangelium über die Gottesmutter: „Maria aber bewahrte alle diese Worte …“ Maria unterscheidet unter all den Worten, die Tag für Tag auf sie einströmen: Die Worte mit einer Verheißung Gottes bewahrt sie in ihrem Herzen auf. Denn diese sind es, die ihr Kraft geben und Mut machen.
Vielleicht fragen wir uns selbst einmal: Gibt es verheißungsvolle Worte Gottes, die mir Kraft geben? In welchen Situationen und Phasen meines Lebens war mir Gott besonders nah? – Gerade diese Erfahrungen und Erkenntnisse gilt es zu bewahren, zu schützten, nicht zu vergessen. So ruft es auch der Psalmbeter in Psalm 103 aus: „Lobe den Herrn meine Seele und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.“ Wer solche wertvollen Erfahrungen „speichert“, der kann auch in schwierigen Situationen sein Vertrauen auf Gott setzten. Deshalb kann Maria auch im Magnifikat ausdrücken: „Meine Seele preist die Größe des Herrn“.
Von Maria können wir aber auch lernen, wo der geeignete Ort ist, diese Erfahrungen „zu speichern“: Sie „erwog sie in ihrem Herzen.“
Das Herz ist der Ort, wo Maria ihre Gottes-Erfahrungen wohlbedacht aufbewahrt. Ihr Herz war stets auf Gott hin ausgerichtet und von Liebe zu ihm und zu den Menschen erfüllt. Sie konnte zwar nicht alles verstehen, was geschah, aber die Bibel betont immer wieder, dass sie all das in ihrem Herzen festhielt, was geschehen war und was Gott mitgeteilt hatte. Diese innere Haltung des Bewahrens und Meditierens hat sie ihr ganzes Leben lang begleitet. Auf diese Weise konnte Maria sicherlich mehr und mehr verstehen, worin der verborgene Plan Gottes für ihr Leben bestand.
Auch wir können versuchen, von Maria zu lernen, und unser Herz auf Gott hin auszurichten und ihm unser Leben anzuvertrauen. Auch und gerade dann, wenn wir nicht alles verstehen oder absehen können, was geschehen wird.
Maria, die ihr Vertrauen ganz und gar auf Gott und seinen Heilsplan gesetzt hat, bietet uns zu Beginn dieses Jahres ihre Begleitung an. Sie will uns Mut machen, Gott zu vertrauen. Adolph Kolping konnte in seinem Leben und Glauben dieses Angebot Mariens annehmen. Oft kam er zu der „Schwarzen Mutter Gottes“ in der Kupfergasse in Köln. Gerade dann, wenn er nicht wusste, was die Zukunft bringen wird. Vor diesem Hintergrund sagte er  einmal:  „Bete nur vorwärts, die Mutter vom guten Rat hilft mehr, als wir denken.“
Wir dürfen uns also von Maria an die Hand nehmen lassen und mit ihr „step by step“ vertrauensvoll Gott entgegengehen. Gott kommt uns dabei entgegen, ganz sicher. – Denn als Menschgewordener Gott ist er es gewohnt, herabzusteigen.
Sebastian Schulz, Diözesanpräses
(Foto: Pixabay)