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„Uns ist ein Kind geboren“ – Gedanken zum Weihnachtsfest

„Uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns geschenkt […] man nennt ihn: wunderbarer Ratgeber, starker Gott, […] Fürst des Friedens” (Jes 9,5).

Es ist ein kurioses Bild, auch auf den zweiten Blick: Ein Jesuskind reiht sich an das andere. Und ein Kind gleicht dem anderen. Nur in der Größe scheint es Unterschiede zu geben. Dieses Motiv ist für mich nur wenig weihnachtlich. Eher muss ich an Kommerz und Kitsch denken…

Entstanden ist dieses Foto im Frühjahr dieses Jahres in einem Souvenir-Shop in Betlehem. Hier ist, so sagt man, immer Weihnachten, 365 Tage im Jahr. Auch bei 40 Grad im Schatten. Weihnachtliche Lichter schmücken viele Gebäude der Stadt. An den Kronleuchtern in der orthodoxen Geburtskirche baumeln ganzjährig rote Christbaumkugeln. Christliche Pilgergruppen singen auf den Hirtenfeldern ein Weihnachtslied nach dem anderen. Wenn man wollte, könnte man in Betlehem täglich gleich mehrere Weihnachtsmessen nacheinander besuchen…

Was für eine weihnachtliche Idylle!?

Doch die Stimmung ist hier alles andere als „weihnachtlich“. Das wird besonders deutlich, wenn man vor der Mauer steht, die die Westbank von Israel trennt. Der Checkpoint lässt sich nur mit Genehmigung passieren. Obwohl Jerusalem nur wenige Schritte entfernt ist, ist für viele Bewohner dieses Ziel unerreichbar. Der Konflikt zwischen Palästinensern und Israelis ist hier in Beton gegossen… Unsere Welt ist eben keine heile Welt, sie ist alles andere als perfekt.

Aber war das damals vor 2000 Jahren in Palästina anders? Das Land stand unter römischer Fremdherrschaft, und der judäische König Herodes ging als Kindermörder in die Geschichte ein. Auch damals war die Welt alles andere als heil und perfekt.

Heute ist Heilig Abend, Weihnachten steht vor der Tür. Die weltweite Nachrichtenlage ist auch im Jahr 2019 nicht mit einer „rührseligen Weihnachtstimmung“ zu vereinbaren. Auch in der Kirche und in unseren Familien ist nichts wirklich perfekt.

Weihnachten will uns nicht die „heile Welt“ vorgaukeln. Das neugeborene Kind in der Krippe will nicht wie Zuckerguss sein, der unsere nicht perfekte Welt übertüncht und alles so süß, vollkommen und himmlisch erscheinen lässt.

Nein, so ist es nicht.

Dieses wehrlose Kind in der Krippe will uns zeigen: Gott schafft eine neue Welt inmitten der alten! Krieg, Armut, Streit, Einsamkeit und vieles Mehr, sind damit nicht aus der Welt. Aber gerade darin, gerade im Hier und Heute, in den Unzulänglichkeiten unseres irdischen Lebens, hält Gott Einzug in die Welt, schenkt Hoffnung, Trost, Zuversicht – und das so ganz ohne Kitsch und so gar nicht süß. – Aber vielleicht gerade deshalb weihnachtlich …

Sebastian Schulz, Diözesanpräses