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Wenn der heilige Josef im Internet „viral geht“ – Impuls zum Josefs-Schutzfest

Adolph Kolping war ein großer Verehrer des hl. Josef. So hat er sein Werk unter den Schutz dieses Heiligen gestellt. Das Josef-Schutzfest geht auf Adolph Kolping zurück. Es wird in zeitlicher Nähe zum Josefstag, dem 19. März, gefeiert. Ein Impuls von Diözesanpräses Sebastian Schulz.

Es ist noch gar nicht so lange her, da ging eine Darstellung des heiligen Josef bei Facebook viral. Es war im Advent 2019. Da wurde auf der deutschsprachigen Facebookseite von „Vatican News“ ein Wettbewerb ausgeschrieben. Die Follower dieser Seite wurden aufgefordert, ein Lieblingsfoto einer Krippe zu posten. Das Foto mit den meisten „Gefällt mir“-Angaben sollte Papst Franziskus persönlich vorgestellt werden.

Auch ein Foto aus Brasilien erreichte die Redaktion. Es zeigt eine unkonventionelle Krippenszenerie: Der heilige Josef sitzt im Vordergrund und beschäftigt sich liebevoll mit dem neu geborenen Jesuskind. Soviel Wärme und Zuneigung geht von den beiden aus. Im Hintergrund liegt Maria, die Mutter Gottes, auf einer Bank und schläft.

Das ist eine Situation, die jedes junge Elternpaar nachvollziehen kann. Die Geburt eines Kindes erschöpft. Die kurzen Nächte und der mehrmals unterbrochene Schlaf schlauchen ungemein. Diese brasilianische Krippe zeichnet nicht nur ein menschliches Bild der Heiligen Familie, es rückt vor allem den heiligen Josef in den Vordergrund.

In den meisten Krippendarstellungen ist er ein Nebendarsteller. Auch in der Bibel bleibt er ein Mann im Hintergrund. Kein einziges Wort ist von Josef überliefert. Als er erfuhr, dass seine Verlobte schwanger war – und das nicht von ihm – und als er dann noch diese seltsame Eingebung hatte, dass er sie trotzdem zu sich nehmen solle, da wird kein Satz, nicht einmal ein einziges Wort von ihm berichtet. Das heißt es einfach nur: „Als er erwachte, tat er, was der Engel des Herrn ihm befohlen hatte.“

Und nach dem Besuch der Sterndeuter, als wiederum ein Engel ihm im Traum den Hinweis gibt, mit der Mutter und dem Kind nach Ägypten zu fliehen, steht er einfach in der Nacht auf und flieht nach Ägypten. Und als Herodes dann gestorben war und Josef wiederum gesagt bekommt, dieses Mal zurück nach Palästina zu gehen, wird erneut berichtet, dass er aufsteht und mit dem Kind und dessen Mutter in das Land Israel zieht.

Kein einziges Mal wird auch nur im Entferntesten berichtet, dass er irgendetwas gesagt hätte, irgendjemanden gefragt mit irgendjemandem diskutiert oder auch nur irgendeine tiefschürfende Unterhaltung geführt hätte. Ob Josef taubstumm gewesen ist? So etwas wäre wohl auch in der Bibel nicht unerwähnt geblieben. Nein, die Worte des Zimmermanns Josef sind nur nicht aufgeschrieben worden.

Damit sagen uns die Evangelisten: Josef ist einer, der nicht lange fackelt, der keine großen Reden schwingt, einer, der vielmehr zupackt und einfach tut, was notwendig ist. Als Mann der Tat ist er in der Vergangenheit deshalb das große Vorbild geworden. Josef, der Arbeiter. Der, der nicht lange fragt, sondern einfach tut. Er ist nicht ohne Grund der Schutzpatron des Kolpingwerkes.

Aber Achtung! Man das darf man dann nicht falsch verstehen. Denn wer daraus ableitet, dass man als Glaubender und als Kolpinger keine großen Fragen stellen soll, sondern einfach tun, was einem aufgetragen wird – am Besten ohne zu hinterfragen und vor allem ohne zu Murren -, wer daraus ableitet, dass man den Verstand am besten im Taufwasserbecken ersäufen oder mit dem Kolpingbanner erschlagen soll, und einfach tun soll, was einem „befohlen“ wird, der ist auf dem besten Weg, gewaltige Fehler zu machen.

So darf man Josef und seine Botschaft nicht deuten. Das wäre ein folgenreiches Missverständnis. Das würde seine eigentliche Bedeutung vernebeln. Denn die Haltung Josefs hat eine große Bedeutung – das gilt gerade für unsere heutige Zeit.

Im Zeitalter des Sitzungskatholizismus, in dem neue Gremien, neue Sitzungen, Ausschüsse und damit zusammenhängende Termine wie Pilze aus dem Boden schießen. Im Zeitalter der neuen Pastoralen Räume und der XXL-Pfarreien, in dem die Gefahr mehr als groß ist, dass selbst diejenigen Dinge noch verwaltet werden, die schon gar nicht mehr da sind, in solch einer Zeit erinnert uns Josef von Nazaret ganz eindringlich daran, dass über all dem Reden das Tun nicht zu kurz kommen darf.

Wer die Flucht nach Ägypten erst durch alle Instanzen unserer Gremienhierarchie beraten wollte, der wird höchstwahrscheinlich schon lange von den Schergen des Herodes eingeholt sein, bevor er den Esel gesattelt hat. Manchmal gilt es erst zu tun und dann darüber zu reden, erst zu handeln und dann Erhebungsbogen darüber auszufüllen.

Der Ausnahmezustand, den wir zur Zeit bedingt durch die Corona-Krise erleben, provoziert Gott sei Dank auch in Gesellschaft und Kirche solidarisches und unkonventionelles Handeln, um anderen beizustehen, um anderen eine Zukunftsperspektive zu ermöglichen. Josef erinnert uns daran, dass eine Kolpingsfamilie und eine Kirchengemeinde durch ihr Leben anziehend werden und nicht durch die Analysen, die über sie angestellt werden.

Analysen sind wichtig – das will ich gar nicht in Abrede stellen. Aber sie können nicht das Leben ersetzen und erst recht nicht an die Stelle dieses Lebens treten. Manchmal scheint man das in unserer Kirche und in unseren kirchlichen Verbänden zu vergessen. Wenn Menschen heute überhaupt noch zur Kirche finden oder in im Verbandsleben aktiv werden wollen, dann nicht wegen schöner Worte und nicht nur deshalb, weil die Struktur erhalten werden muss.

Das lehrt uns der heilige Josef: An unseren Taten wird man uns erkennen, nicht an unseren Sonntagsreden. Oder mit den Worten Kolping: „Die Tat ziert den Mann“ und ich denke, die Frauen sind damit auch gemeint, wenn sie nicht gerade erschöpft vom Tun auf einer Bank liegen und schlafen.

Sebastian Schulz, Diözesanpräses des Kolpingwerkes Paderborn

Das Foto zeigt die im Text beschriebene Krippe. Den ausführlichen Bericht zu der Aktion gibt es hier:

https://www.vaticannews.va/de/papst/news/2019-12/papst-franziskus-krippenchallenge-segen.html

Quelle: Vatican News